Projekte

Bericht des Projektleiters Gerald Wöss
Abschlussbericht Sommer-EP 2006 in Rumänien

Teilnehmende Personen:

Betreuer:
Gerald Wöss, Maria Nikolai, Marion Dolzer und Helmut Schönberger.

Jugendliche:
Werner E., Christian H., Rommel D., Hubert K., Tuan Q., Sascha J., Andreas S.,
Michael S., Cosimo L. und Mario L.

Nach 8-stündiger Fahrt sind wir in Calinesti-Oas angekommen. Trotz der Strapazen wurde sofort mit dem Aufbau des Zeltlagers begonnen. Da eine unserer Aufgaben darin bestand beim Bau eines Kinderheimes mitzuhelfen, besichtigten wir noch die Baustelle.

Obwohl bei der Ankunft von unseren Jugendlichen vereinzelt abwertende Äußerungen über den Zustand der örtlichen Verhältnisse und Gesellschaftsformen in Rumänien zu hören waren, war gleichzeitig eine tiefe Betroffenheit über die Armut in diesem Land erkennbar. Sehr schnell, und zwar noch am ersten Tag, waren zwei wichtige pädagogische Ziele, die wir uns gesetzt haben, im Ansatz zu erkennen.

Akzeptanz und Konsumdenken bzw. Konsumverhalten. Alle 10 Jungs erkannten sehr schnell, welche finanzielle bzw. materielle Bedingungen einerseits vor Ort und andererseits in Österreich herrschen.

Eine negative Einstellung Ausländern gegenüber war nicht zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt waren ja wir die Ausländer.

Bei den Arbeiten auf der Baustelle ( max. 5-6 Std.) wurden die Jugendlichen in die Arbeitswelt eingeführt. Sie waren motiviert und arbeiteten fleißig, jeder für sich und auch in Teamarbeit, was auf Grund der hohen Temperaturen (37°) nicht leicht war.

Eine nicht minder schwere Aufgabe war die Lagerarbeit, tägliches Kochen, Abwaschen, Brennholz sammeln und Sauberhalten des Lagers.

Am Abend gab es tägliche Reflexionsrunden über die erlebten Emotionen, erbrachte Leistungen, Gefühle und Aggressionen.

Kontakte zu rumänischen Jugendlichen wurde hergestellt, und es bildeten sich Freundschaften.

Die Freizeit (SA, SO) wurde mit Spielen, Wettbewerben und Ausflügen verbracht. Einer dieser Ausflüge führte uns in ein ehemaliges Kinderheim, wo einst 200 Rumänische Straßenkinder untergebracht waren. Freddy Moser, der schon einige Projekte in Rumänien leitete und das Kinderheim kannte, erzählte uns vor Ort, über die Zustände die dort herrschten. Wir Betreuer und die Jugendlichen waren fassungslos, geschockt und traurig darüber, unter welchen Umständen die Kinder dort leben mussten.

Nach diesem Ausflug gingen die Jugendlichen mit noch mehr Eifer an die Arbeit. Nach drei Wochen arbeiten nahmen wir uns vom Team gemeinsam mit den Jugendlichen einige Tage Zeit, um das Erlebte verarbeiten zu können. Diese Zeit war äußerst wichtig für uns alle und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Während der Heimfahrt nach Österreich wurde von den Jungs der Wunsch laut, möglichst bald wieder nach Rumänien zu fahren, um weiter an dem Hausbau zu arbeiten.

Aus meiner Sicht konnten  diese 10 Jugendlichen sich äußerst gut einbringen und viele persönliche Erfahrungen machen, die wichtige Bestandteile für ihre Persönlichkeitsentwicklung sind.

Für mich brachte dieses Projekt in seiner Gesamtheit eine Fülle von Erlebnissen, Erfahrungen, Perspektiven und Einsichten, sodass ich beruflich als auch persönlich gewachsen bin. Dieses Projekt miterlebt zu haben, ist für mich sehr bedeutsam geworden, ich möchte keinen Moment des Ablaufs missen.

Auch in weiterer Folge werde ich an solchen Projekten im Sinne sozialpädagogischer Erlebnispädagogik mitarbeiten.

Es erfüllt mich mit Stolz mit diesen Jugendlichen und Betreuern dieses Projekt durchgeführt zu haben.