Grundsätzliches
Was ist die Mühle eigentlich:
Die Mühle ist ein Betreuungsangebot für verhaltensauffällige männliche Jugendliche, im Alter von 14 bis 19 Jahren.
Die Mühle, hat das Ziel, verhaltensauffälligen Jugendlichen mit Methoden der Sozialpädagogik sowie verschiedener Therapierichtungen bei der Bewältigung von Problemen und Krisen Hilfestellung zu leisten, ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihre soziale Integration zu fördern und ihnen ein sozial angepasstes Wertesystem näher zu bringen.
Warum entstand die Mühle:
Aus einer Notwendigkeit!
Es ist eine Realität unsere Zeit, dass immer mehr Jugendliche durch ihre spezifischen
Auffälligkeiten einer ganz speziellen Betreuung bedürfen. Prägende Faktoren sind hierbei:
Die zunehmende Dissozialität und Gewaltbereitschaft, eine zunehmende soziale Verwahrlosung durch die wachsende Anonymität in unserer Gesellschaft und die gleichzeitig immer mehr auftretende Ghettoisierung, im Zuge derer eigene Wertsysteme zum Tragen kommen, und sich ein verdrehtes Problem- und Deliktbewusstsein (Gerechtigkeitssinn) entwickelt. In den Jahren 1994 – 95 erkannte eine Gruppe von Sozialpädagogen und Therapeuten das Dilemma von ZWANG und FREIWILLIGKEIT.
Zwang und Freiwilligkeit:
In der Sozialpädagogik besteht das Dilemma, dass eine Reihe von Lernstrategien der normalen und üblichen Erziehung auf Grund der negativen Vorerfahrungen unserer Jugendlichen und einem oft mangelhaften Vertrauensverhältnis nur mehr bedingt oder gar nicht erfolgversprechend anwendbar sind. Daher werden vermehrt Hilfe und Anleihen von der Psychotherapie und ihren oft recht wirksamen Konzepten gesucht. Die Psychotherapie lehrt uns aber, dass Verhaltensänderung nur gelingt, wenn der Klient ein Problembewusstsein verspürt und aus freiem Willen mit dem Therapeuten zusammenarbeitet. Mit dessen Hilfe formuliert er ein klares Ziel, das er erreichen kann und will. In der Sozialpädagogik hingegen formuliert der Erzieher das Erziehungsziel für den Jugendlichen. Dieser kann aber oft nicht einmal das zu Grunde liegende Problem zur Kenntnis nehmen und schon gar nicht das Ziel erreichen, das vom Erzieher vorgegeben wird. So wird oft kräftig hin und her gezogen statt erzogen.
In der Mühle werden daher verschiedenste Elemente aus der Sozialpädagogik, einigen Therapieformen, des Arbeitstrainings, der Erlebnispädagogik, der systemischen Familienarbeit, der Lernbetreuung, und vielem mehr, herausgenommen und zu einem Ganzen zusammengefügt, um individuell auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Jugendlichen eingehen zu können und den neuen Anforderungen der pädagogischen Arbeit mit Verhaltensstörungen gerecht zu werden.
Somit wird eine ganzheitliche Betreuung angestrebt.
Daraus entstand der Ansatz: STRATEGISCHE SOZIAL UND ERLEBNISPÄDAGOGIK.
Wie werden diese Erkenntnisse umgesetzt?
Dem Betreuungsangebot liegt ein Stufenmodell zu Grunde, das eine schrittweise Annäherung an ein selbständiges und eigenverantwortliches Leben ermöglicht.
Die Betreuungsintensität nimmt unter Beibehaltung der Bezugspersonen, also dem Team der MÜHLE, stetig ab, und endet mit der Verselbständigung des Jugendlichen in seiner eigene Wohnung.
Phase 1
Eine Aufnahme erfolgt in der Regel in die TWG MÜHLE (Intensivgruppe). Hier beginnt die Betreuung in allen Bereichen.
Die Jugendlichen werden während des Aufenthaltes in der TWG durch einen geregelten Tagesablauf, Regelsysteme, Arbeitstraining, Mithilfe im Haushalt und Übernehmen von Verantwortung einem sozial angepassten Verhalten zugeführt. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf gewaltfreie Konfliktlösungsmodelle in der Alltagspädagogik (sofortiges Aufarbeiten einer aktuellen Auseinandersetzung).
Arbeitstraining:
Eine interne Arbeitstrainingsgruppe welche sich ebenfalls in 3 Stufen teilt, soll durch einen geregelten Arbeitstag, Anfertigen von Werkstücken, aber auch durch Arbeiten in Haus und Garten, bis hin zu Auftragsarbeiten für Firmen systematisch an eine akzeptable Arbeitsleistung heranführen. Bringt ein Jugendlicher eine zufriedenstellende Arbeitsleistung, wird von den Erziehern gemeinsam mit dem Jugendlichen ein entsprechender Lehr-, oder Arbeitsplatz gesucht.
Weitere Zusatzangebote sind: Strategische Erlebnispädagogik, erlebnisorientierte Einzelarbeit, Gruppen- und Einzeltrainings, Einzelpsychotherapie, Elternarbeit, Soziotherapie …
Phase 2
Hat ein Jugendlicher diese Mindeststandards erreicht, wird er in die AWG übernommen.
Es handelt sich dabei um eine während der Woche täglich betreute Wohngemeinschaft für maximal 5 Jugendliche. Zu den Wochenenden ist ein verminderter Betreuungsbetrieb vorgesehen, damit die Jugendlichen auch unbetreute Freizeit zu Bewährungszwecken zur Verfügung haben. In der AWG gibt es (außer in Krisensituationen) keinen Nachtdienst. Zur Verselbständigung der Jugendlichen fungiert der Betreuer in erster Linie als Berater.
Alle Angebote wie Erlebnispädagogik, (Einzelbetreuung, Psychotherapie und Soziotherapie gegen extra Verrechnung) sowie das Arbeitstraining stehen auch für diese 2. Stufe im Krisenfall zur Verfügung. Sollte sich zeigen, dass ein Jugendlicher trotz der vorherigen Trainingszeit mit den Rahmenbedingungen der Außenwohngruppe nicht zurecht kommt, so wird er wieder in die Intensivgruppe übernommen.
In begründeten Ausnahmefällen kann ein Jugendlicher auch direkt in die AWG aufgenommen werden.
Phase 3
Jugendliche, die bereits ein großes Maß an Selbständigkeit erreicht haben, werden in Form des betreuten Jugendwohnens über den Zweigverein STI Mobil von einem vertrauten Betreuer weiterbetreut. Das Ausmaß der Betreuung liegt zwischen maximal 10 und mindestens 2 Std./Woche. Um finanziell an Kompetenz zu gewinnen, erhält der Jugendliche sein Geld in Form eines monatlichen Wirtschaftsgeldes, das er selbst verwalten und über dessen Ausgabe er seinem Betreuungserzieher Rechenschaft ablegen muss. Auch für das betreute Jugendwohnen stehen therapeutische und erlebnispädagogische Angebote sowie zur Überbrückung einer ev. Arbeitslosigkeit unser Arbeitstraining weiter zur Verfügung.
Über den Verein STI MOBIL werden auch direkte Einzelbetreuungen und Familienberatungen angeboten (Siehe “Flexible Hilfen”)